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20. Tag Passo Duran bis Schiara-Umgehung

Forcella Moschesin nach Westen

Forcella Moschesin nach Westen

Ab dem sehr frühen Morgen hören wir Hundegebell mal von Osten und mal von Süden. Ein wilder Hund? Eine Jagdgesellschaft? Wir liegen zwei Stunden wach und rätseln bis wir schließlich aufstehen und zusammenpacken. Nach einer halben Stunde Marsch treffen wir auch tatsächlich einen Mann mit einem Hund. Ob das derjenige war, der uns den Schlaf verdorben hat, erfahren wir allerdings nicht. An der Moschessin-Hütte, einer kleinen Alm mit Brunnen und Sitzbank, treffen wir Karo aus Pfunders wieder. Sie sitzt neben ihrem Riesenrucksack und vespert. Wir wandern gemeinsam über die Forcella Moschessin zur Pramparet-Hütte und beratschlagen bei einem Mittagessen wie nun, da die Schiara bevorsteht, weiter zu verfahren sei. Karo ist ebenfalls ohne Klettersteigausrüstung unterwegs und möchte den Schiaraklettersteig ebenso wie wir umgehen. Die normale Umgehung mit Busfahrt möchte sie allerdings auf keinen Fall machen. Da sie seit Wolfratshausen kein Zelt mehr in ihrem Rucksack hat, kann sie allerdings nicht unsere geplante
Forcella Moschesin nach Osten

Forcella Moschesin nach Osten

Route mit Übernachtung im Tal mitgehen. Ein Kellner mit mäßigen Fremdsprachenkenntnissen und eine Gruppe Engländer mit Kletterführer können auch nicht weiterhelfen. Wir verbleiben schließlich folgendermaßen: Karo geht heute noch bis zum Refugio Pian de Fontana und übernachtet dort. Wir steigen direkt von der Pramparet-Hütte ab bis zur Ponte di Costa Grande, einer Brücke im Tal, suchen dort einen geeigneten Zeltplatz und warten am nächsten Morgen bis Karo von der Fontana-Hütte nachgekommen ist. Auf unseren Abstieg kommen wir zunächst an einer Reihe verfallener Hütten und Ställe vorbei, die schon seit einiger Zeit nicht mehr bewirtschaftet werden. Schade, dass wir heute noch weiter müssen sonst wäre das hier ein sehr schöner Lagerplatz. Der Weg 513 wird offensichtlich selten genutzt und mündet in einen beachtlich steilen Klettersteig. Im Talgrund verschwindet der Pfad im Fluss, aber Steinmandeln helfen weiter. Durch den teilweise ausgetrockneten Fluss geht es mehr schlecht als recht weiter, schließlich können wir wieder einem Weg am linken Flussufer folgen. Hier ist schon so lange niemand mehr gegangen das alles voller Spinnweben mit großen schwarzen Bewohnerinnen hängt. Mit den Wanderstöcken bewaffnet schneiden wir uns langsam vorwärts. Der Weg wird breiter und mündet schließlich in eine alte Militärstraße. Einige Häuschen stehen abseits des Weges.
Verfallene Alm

Verfallene Alm

In Venedig wird uns später ein Venedig-Wanderer sagen, dass wir in diesen verlassenen Häusern hätten übernachten können. Wir wissen das aber nicht und gehen durch den einsetzenden Regen an ihnen vorbei. Am tiefsten Punkt des Tales überqueren wir die große Brücke und verlaufen uns prompt. Etwa einen Kilometer gehen wir in die falsche Richtung ins falsche Tal bergauf. Als wir uns unseren Irrtum schließlich eingestehen (es waren Häuser zu sehen, wo
Klettersteig in der Schiara-Umgehung

Klettersteig in der Schiara-Umgehung

eigentlich keine hätten sein dürfen, das hat uns stutzig gemacht), drehen wir um und gehen zurück. Aus dieser Richtung kommend finden wir nun die Schilder, vor denen wir hätten abbiegen sollen und folgen dem richtigen Weg ins richtige Tal. (Der richtige Weg ist daran zu erkennen, dass nach 5 Minuten eine kurze verfallende Betonbrücke mit verbogenen Eisengeländern über den tief eingeschnittenen Bach führt). Ein paar Minuten hinter der Brücke finden wir ein Stück halbwegs ebenen Grund in einer Haltebucht und beschließen - wegen der einsetzenden Dunkelheit - das Zelt hier aufzubauen. Ein Versuch an Wasser zu kommen scheitert. Der Fluss in diesem Tal ist so tief in den Fels eingeschnitten, dass es an keiner Stelle möglich ist, bis zum Wasser abzusteigen. Wir teilen uns auf in einen Zeltaufbautrupp und einen Wassersuchtrupp. Die Zeltnägel gehen praktisch nicht in den steinigen Boden, aber nach einer halben Stunde ist es schließlich vollbracht. Der Wassersuchtrupp ist allerdings noch nicht zurück und inzwischen ist es stockdunkel. Eine Rettungspartie wird dem Wassersuchttrupp hinterher geschickt und findet diesen schließlich zwei Kilometer entfernt. Großes Hallo und große Erleichterung! Wir schlafen gut hydriert und lang.

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