w w w . p h 2 . n e t

21. Tag Schiara-Umgehung bis vor Belluno

Schiara-Umgehung

Schiara-Umgehung

Spätes Aufstehen da wir Karo nicht abhängen wollen. Irgendwann marschieren wir aber langsam los und hoffen, dass sie uns bald einholen wird. Durch das enge Tal geht es bis zu einer Holzbrücke leicht bergauf. Hinter der Brücke folgen wir Pflöcken mit roten Markierungen. Die Markierungen sind gut zu sehen und die Pflöcke stehen meist recht nah zusammen. Den Weg nur anhand der Spuren ohne die Markierungen zu finden, ist allerdings an manchen Stellen sehr schwierig. Man muss aufpassen nicht auf die gelb-schwarzen Salamander zu treten, die hier äußerst zahlreich den Waldboden bevölkern. Wir überqueren zweimal einen Bergbach. Die erste Überquerung wird bei Regen vermutlich nicht möglich sein. Man muss von Stein zu Stein springen und an diesem Tag (Regen am Vorabend) war es bereits relativ schwierig. Abrutschen darf man auch nicht, da der Bach unmittelbar hinter der Furt über eine Kante knapp 10 Meter in die Tiefe stürzt. Nach starken Regenfällen oder bei Regen ist diese Schiara-Umgehung also höchstwahrscheinlich nicht benutzbar.
Blick auf Longarone

Blick auf Longarone

Nach etwa einer halben Stunde holt uns Karo ein. Wir wandern gemeinsam weiter bergan bis zu einer sehr kleinen verfallenen Schäferhütte inmitten einer Almwiese. Dort machen wir Pause und essen zu Mittag. Ein gutes halbes Pfund Käse wird weggeworfen, da es offensichtlich nicht mehr gut ist. Der Himmel zieht mehr und mehr zu, wir beeilen uns weiterzukommen. Den Hang hinauf geht es zur ersten Scharte mit Blick auf Longarone. Der Weg ist mittlerweile auch ohne Markierungen gut zu erkennen und wird häufiger genutzt. Auf den letzten Metern des Abstieges ins Cajada-Tal fängt es an zu regnen. Zunächst nur schwach, dann aber setzt ein schweres Gewitter mit Sintflutartigen Regenfällen ein. Da wir uns ohnehin in einem Wald befinden und das Risiko vom Blitz getroffen zu werden überall gleich hoch sein dürfte, warten wir unter dem dichtesten Baum den wir finden können ? allerdings vergeblich - auf Wetterbesserung. Nach einer halben Stunde setzen wir den Aufstieg aus dem kleinen Tal Richtung Westen
Überschwemmte Schlucht

Überschwemmte Schlucht

durch Regen und Gewitter fort. Die Berge rundherum sind mittlerweile in den Wolken verschwunden. Zwei Männer kommen uns entgegen und raten vom weitergehen ab. Die Passage durch die Scharte stünde unter Wasser. Durch den Platzregen würde dort mittlerweile ein Sturzbach hindurch fließen. Da es nur noch 5 Minuten sind, gehen wir weiter, um die kritische Stelle selbst in Augenschein zu nehmen. Tatsächlich fließt auf dem Durchstieg ein Bach. Von den überhängenden Felsen rechts stürzen kleinere Zuflüsse hinab; mit Nebel und Gewitter ergibt das eine beeindruckende Mischung. Wenigstens ist es unter den Überhängen trocken. Der Schutz vor Blitzen wird vermutlich unten im Wald besser gewesen sein als hier. Durch die Nässe und die niedrigen Temperaturen sind wir ziemlich ausgekühlt und können nicht länger warten. Karo beschließt, allein den Wasserfall hinaufzusteigen, weil sie zum Refugio Nr. 5 möchte und es auf der Alternativroute keine Unterkunft bis zu den Dörfern vor Belluno gäbe. Wie wir später erfahren haben, hatte sie zwar ihre digitale Spiegelreflexkamera wasserdicht verpackt, aber versäumt das auch mit der portablen Festplatte zu machen, auf der all ihre Bilder, nicht nur von dieser Reise sondern von so ziemlich allen davor, exklusiv gespeichert waren. Die Festplatte überlebte leider nicht, die Daten konnten aber zurück in Deutschland von Profis gerettet werden.
Fast freie Sicht aufs Mittelmeer

Fast freie Sicht aufs Mittelmeer

Uns ist der Aufstieg durch den Wasserfall zu gefährlich und wir drehen um, steigen ab zurück ins Tal und von dort auf zu einem südlichen Übergang ins nächste Tal. Kaum sind wir aus dem Talkessel hinaus wird das Wetter schon deutlich besser. Vor uns - hinter dem Dunst- liegt Belluno; von den steilen Felswänden hinter uns stürzen dutzende Bäche mehrere hundert Meter in die Tiefe. Wäre nicht alles nass, wäre es fast schon wieder schön. Das hält aber nicht lange, denn keine fünf Minuten später werden wir von Insekten verfolgt und legen die ersten paar hundert Meter Abstieg in schneller Flucht vor diesen zurück. An einer kleinen Hütte mit zwei Marderartigen Tieren im Dachstuhl müssen wir mit den kurzen Klamotten durch ein dichtes Brennnesselfeld. Darauf kommt?s heute auch nicht mehr an! Die beiden Nagetiere schimpfen uns aus dem Dachgiebel hinterher. Der folgende Abstieg durch den Wald ist ereignislos. Irgendwann geht es einigermaßen unerwartet wieder ein Stück bergauf und schon erreichen wir das Ende des Weges und Pra de?Luni. Wir kehren bei der nächsten Gelegenheit ein und stärken uns erst einmal. Nächtigen müssen wir in einer Serpentine der Straße nach Belluno, da es zu dunkel zum Weitergehen geworden ist. Schlafsäcke sind nass, die von den Brennnesseln verbrannten Beine kribbeln und jucken, geduscht habe ich seit der Marmolata nicht mehr, aber morgen Vormittag werden wir in Belluno sein.

[20] < [21] > [22]



Unless otherwise indicated, all materials on this site are by Peterhans Hendel (webph2.net). I would appreciate it if you dropped me a line if you want to reproduce them. Any trademarks are property of their respective owners; their use is purely editorial and does not constitute an infringement.