w w w . p h 2 . n e t

22. Tag Vor Belluno bis Torrente Cicogna

Vespern in Belluno

Vespern in Belluno

Wir stehen recht früh auf, denn in den nassen Schlafsäcken stellt sich keine Bettschwere ein. Der bellende Hund vom Ferienhaus hundert Meter weiter ist glücklicherweise während der Nacht nicht zu Besuch gekommen. Wir packen schnell unsere nassen Sachen zusammen und wandern auf der fast unbefahrenen Straße Richtung Belluno. Heute werden wir die Alpen hinter uns lassen. Die kleinen Dörfer, durch welche die Straße uns führt, schlafen zumeist noch. Eine Frau sitzt am Fenster und wartet auf mehr Verkehr. Zwei Bauarbeiter beginnen ihre Schicht. Ein wilder Apfelbaum überlässt uns einen Apfel zum Frühstück.
Nach Gonzano wird es etwas unangenehmer, da rechts und links der Straße jetzt steinerne Mauern stehen und wir auf die Umsicht der inzwischen zahlreicheren italienischen Autofahrer hoffen müssen, um lebend durch diese Kanonengassen zu kommen. Nach Neubaugebieten geht es an ein paar Tennisplätze entlang über eine Brücke an einem Park vorbei und schon sind wir in Belluno. Der geschätzten Himmelsrichtung nach sind wir bald am Hauptplatz und sitzen in einem Cafe, um die Alpenüberquerung zu feiern. Im Prinzip war es das ja jetzt! Viel mehr Bergen kommen nicht und die letzten 100 km sind eh Flachland. Was soll da schon noch passieren denken wir und genießen den italienischen Sonnenschein. Da wir uns schon seit geraumer Zeit nicht mehr im traditionellen Sinn des Wortes waschen konnten, sitzen wir sicherheitshalber ganz am Rand des Cafés. Ein junger Italiener kommt vorbei und spricht uns auf Deutsch an. Er wäre vor ein paar Jahren von Belluno nach München gewandert und würde uns herzlich in seiner Heimatstadt begrüßen.
Castion Ortsausgang

Castion Ortsausgang

Nach einer langen Pause packen wir zusammen und gehen über den Stadtplatz in einen Supermarkt und weiter bis zu einer einsamen Bank im Stadtpark für ein ausgiebiges Mittagessen: Salat, Chips, Oliven und eine Flasche italienischem Wein. Schön ist?s es hier! Deutlich später überqueren wir die Piave und wandern die Fahrstraße hinauf nach Castion. Da es heiß ist und wir in Italien sind, gönnen wir uns eine weitere Einkehr. Wegen des schönen Wetters haben wir eine großartige Sicht auf die Alpen, aus denen wir heute Morgen gekommen sind. Nach Castion geht es über ein paar Dörfer entlang von Maisfeldern bis zur Torrente Cicogna. Offensichtlich ein FKK-Fluss. Wir spazieren wegen der vielen Leute noch ein paar hundert Meter weiter und schlagen uns ins Gebüsch, überqueren einen Zufluss und finden einen wunderbaren Platz auf einer Wiese neben dem Flussbett. Es ist noch recht früh am Tag. Wir nutzen die Zeit, um alles aus den Rucksäcken zu nehmen, zu trocknen und zu waschen. Rundumüberholung! Das letzte Bad war in einem Gletscherbach der Marmolata auf etwa 2000 Metern Höhe und sehr, sehr kalt. Im Vergleich dazu ist der Bach hier sehr
Zelten an der Torrente Cicogna

Zelten an der Torrente Cicogna

angenehm. Man liegt im Fluss wie in einer warmen Badewanne. Leider ziehen bei Anbruch der Dunkelheit Leute in das einzig sichtbare Haus auf der anderen Seite des Flusses ein. Was soll?s, wir sammeln trotzdem Treibholz und machen im Flussbett ein kleines Feuer um die Maiskolben zu rösten.
Leider explodiert einer der Steine der improvisierten Feuerstelle und die Glut hinterlässt auf der Haut zunächst eine Fingernagelgroße Wasserblase und später eine Narbe. Trotzdem schlafen wir gut.

[21] < [22] > [23]



Unless otherwise indicated, all materials on this site are by Peterhans Hendel (webph2.net). I would appreciate it if you dropped me a line if you want to reproduce them. Any trademarks are property of their respective owners; their use is purely editorial and does not constitute an infringement.