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24. Tag Revine bis Priula

Schnecken auf dem Zelt

Schnecken auf dem Zelt

Da wir nicht mehr in den Alpen sondern in einer dicht besiedelten Umgebung wild campen, stehen wir mit dem ersten Licht auf und brechen das Zelt ab. Viele Nacktschnecken und deren Schleimspuren finden sich auf der äußeren Zeltplane . Die schmutzigen Socken mögen sie offensichtlich ganz besonders. Nachdem wir durch ein paar Weingärten zurück zur Straße gegangen sind, geht es die Landstraße entlang an ein paar Siedlungen vorbei sacht bergauf. Außer einigen Rennradfahrern ist kaum jemand unterwegs. Ein angenehmer Morgen. In Tarzo biegen wir rechts ab und suchen erst einmal nach dem richtigen Weg. Wir sind unsicher, ob der gefundene auch der richtige ist. Über einen kleinen Hügel hoch geht es durch ein Wäldchen hinauf nach Riseretta. Dort scharf links ab über ein Betonsträßchen, das nach ein paar hundert Meter zu einer Schotterpiste wird, die den Hügel wieder hinunter führt. Mitten im Nirgendwo finden wir einen Wegweiser: München-Venedig.
Schnecken auf den alten Socken

Schnecken auf den alten Socken

Wir gehen weiter am Bach entlang bis zu einem kleinen Weiler und machen dort auf der Ortseigenen Bank Rast. Während wir unsere Äpfel essen kommt aus dem Haus gegenüber Geschrei als würde jemand umgebracht. Nach ein paar Minuten verpflichtet uns das Gewissen, entweder nach dem Rechten zu sehen oder zu verschwinden. Wir wählen letzteres und wandern die von Maisfeldern gesäumte Straße bergauf. Bald geht es in Serpentinen hinauf zu einem kleinen Pass nebst bestialisch stinkender Geflügelfarm. Ein Autofahrer verlangsamt sein Gefährt lang genug um der ?Bella Donna? Vorschläge zur angenehmeren Gewichtsverteilung ihres Rucksacks zu machen. Soweit ich das verstehe soll sie diesen einfach auf meinen draufschnallen.
Traumpfad München-Venedig

Traumpfad München-Venedig

Ab dem Pass geht es lange bergab durch den Wald an einem Bach entlang. Überall stehen ?Privatbesitz?-Schilder. Der Wald lichtet sich; wir erreichen die Einmündung des Kiesweges in die Hauptstraße. Eine Frau mit Hund, zwei Radfahrer und drei Männer in Anzügen neben ihrem Auto im Nirgendwo stehend grüßen freundlich. Die Molinetto de la Croda liegt wohl nicht direkt an der Straße, alles was wir sehen ist ein großes Festzelt und ein Hinweisschild daneben. Kurz vor Refrontolo steigt die Straße kurz an, um uns direkt zum Hauptplatz des Dorfes zu führen. Wer an der folgenden Kreuzung sofort weiß wo es weiter geht, hat einen besseren Orientierungssinn als ich. Um die Richtungsfrage zu klären, kehren wir in die Dorfbar ein. Da wir vermutlich nicht eben taufrisch riechen, setzen wir uns raus in die Sonne. Zwar ist immer noch Vormittag aber trotzdem ist es ohne Schatten kaum noch auszuhalten. In der halben Stunde die wir mit Kaffee und Führer verbringen erwacht Italien zum Leben. In einem kleinen Laden ein paar
Italienische Alee

Italienische Alee

hundert Meter weiter kaufen wir Lebensmittel ein: Lakritz, Süßigkeiten, in Olivenöl gebratene Brötchen. Die Verkäuferin vereitelt unsere Versuche Italienisch zu sprechen durch perfektes Deutsch. Eifrig mampfend marschieren wir weiter eine große Serpentine hinunter ins Tal. Weiter Blick. Der LKW-Verkehr auf der vielbefahrenen Straße nimmt leider zu je näher wir den ersten Industriegebieten kommen. Ein Mann mäht sein Grundstück mit einem Minitraktor, übersieht uns beinahe, entschuldigt sich fürs Fast-Niedermähen. LKW-Verladeterminals wechseln sich ab mit Feldern und kleinen Industriegebieten. Sehr zersiedelt hier! Fornaci ist nicht der Rede wert. Wir kommen an der Il nuovo ponte sul fiume Soligo vorbei und wandern über eine lange, gerade Straße nach Barbisano hinein. An einem Haus ist ein Wegweiser mit Karte für München-Venedig Wanderer angeschlagen, der Routen durch Barbisano zeigt. Wir wollen die schönste und Straßenfernste wählen und verlaufen uns dabei übel in den Weinbergen. Das Castello di Collalto verpassen wir, weil wir auf den falschen Hügel hoch sind. In einiger Entfernung können wir es aber sehen. Die Mittagshitze ist jetzt fast unerträglich. Oben auf unserem falschen Hügel stoßen wir auf die Via Cucca und gelangen auf ihr bis auf die Via Morgante Seconda unterhalb der Burg. Würde man jetzt einen halben Kilometer zurückgehen käme man doch noch zum Castel, aber das lassen wir bleiben und machen lieber hundert Meter weiter an einem schönen schattigen Brunnen mit Lurchen drin Rast. Die umliegenden Wälder werden von Hühnern bevölkert. Ein Radfahrer hält auch und leistet uns Gesellschaft. Er erzählt vom Mont Blanc Marathon. Ob er da jetzt mitgemacht hat, bleibt allerdings unklar.
Weiterwandern an einem Restaurant vorbei rechts auf die Via Sottocroda. Wir begegnen mitten im Nirgendwo einer ausgesprochen gut gekleideten Frau mit einem Zierhündchen. Der Weg wird schlechter und führt durch hohle Gassen steil bergab bis zu einem großen Gehöft. Ab hier gibt es keinen Schatten mehr. Glühende Hitze und keine
Parrocchia di Colfosco

Parrocchia di Colfosco

Wolke weit und breit. Rechts ab auf die via Carrera, wieder steil bergauf zum Castello di S.Salvatore. (gehört zu Susega). Jetzt wissen wir wieder wo wir sind und wir sind ziemlich falsch. Der Umweg, den wir gemacht haben, bedeutet mindestens eine zusätzliche Stunde plus mehrere hundert Meter Auf- und Abstiege. Die von "Toskanischen Kegelbäumen" gesäumte Straße führt gewunden bergauf bis zu einer Kreuzung in einem Wäldchen. Aus der Straße, die dort mit der unseren zusammenkommt, hätten wir - nach Ludwig Grassler - kommen sollen. Umweg ist hier beendet. Wir gehen weiter den Hügel hoch bis San Daniele-Tombola. Eine Frau grüßt von ihrer Veranda wild winkend. Langer Abstieg auf der Straße bis zur Kirche Parrocchia di Colfosco. Zwischenzeitlich rechts und links in den Vorgärten alles voll kläffender Hunde. Überqueren den Kanal und kommen nach Casonetti. Pizzerien haben zu,l aber die Eisdiele hat offen. Mehrfach Eis in der Eisdiele gekauft. Freundliche Verkäuferin. Sitzen vor Eisdiele und entspannen. Gut deutsch sprechende Passantin, angestellt im Tourismussektor, behauptet Priula wäre die Straße entlang nur 5 Minuten entfernt. Das stellte sich als grober Irrtum heraus. Lange Strecke geradeaus an der Straße entlang auf dem Radweg nach Priula über Golfosco. Anfangs durch Wohngebiete an der vielbefahrener Straße, später Gewerbegebiete. Überhaupt nicht schön.
Pizza in Billigpizzabude in Priula gegessen, nette Bedienung. Alle Geschäfte sind geschlossen. Kurze Exkursion zum Einkaufen bringt keine abweichenden Ergebnisse. Wir überqueren die lange Brücke über die Piave und gehen links am Flussufer entlang. Wir wollen noch eine Viertelstunde laufen und uns in den weiten Schwemmgebieten entlang der Piave einen Zeltplatz suchen.
Piave vom Versteck aus

Piave vom Versteck aus

Begegnen einem Mann. Der rät ab, hier weiterzugehen oder gar hier zu zelten. Durchreisende Schlawiner, Zigeuner, Zuhälter und Schlimmeres gäbe es hier. Weil er das Wort nicht aussprechen möchte, spielt er mir pantomimisch Prostituierte vor. Die gäbe es auch und überhaupt seien wir schon so gut wie tot. Er weist auch gleich einen weniger gefährlichen Weg Richtung Westen in die Pampa. Bis der Herr außer Sichtweite ist gehen wir da auch lang, um später wieder zurück zu unserem vorherigen Weg am Fluss zurückzukehren. Am rechten Ufer der Piave etwa einen Kilometer gegangen und Zelt gut getarnt aufgeschlagen. Leider kaum Platz im Versteck. Piave stinkt und waschen macht wenig Spaß. Hinterher juckt die Haut und viel sauberer ist man auch nicht. Wir müssen durstig schlafen, da wir in Priula wegen der geschlossenen Geschäfte kein Wasser auftreiben konnten und die Brühe aus dem Fluss mit Sicherheit nicht trinkbar ist. Gut geschlafen trotz Zigeunergefahr mit dem Pfefferspray in der einen und einem Messer in der anderen Hand.

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