w w w . p h 2 . n e t

Lac Combal

Zelte! Warm ist es nicht aber immerhin Zelte. Ein großes Höhenprofil mit Fortschrittbalken hängt an der Wand der Zeitkontrolle. Das haben die für jeden Durchgangsort gemacht. beachtlicher Aufwand. Es gibt wie bei jeder VP-Stelle ein reichliches Menü aber leider kaum Sitzplätze. Zum Glück ist aber noch ein Stückchen trockener Grasboden frei auf dem ich mich ausbreiten kann. Wasserblase auffüllen, Pulver einfüllen, versuchen ein bisschen was zu essen. Nach dem VP geht es ein ganzes Stück und auf einem sehr guten Weg eben durch das Tal. Rechtsseitig liegt ein See. Womöglich der See den man auf den Hubschraubervideos sehen kann die im 24:00-Start Jahr aufgenommen wurden. Ich kann auf diesem Untergrund endlich wieder laufen und überhole ein wenig bis es rechts ab zum Anstieg zum Col de la Seigne geht. Wieder Bergauf. Serpentine schlängelt sich an Serpentine. Alles oberhalb der Baumgrenze. Eine Japanerin marschiert vor mir, die Beine so dünn wie meine Unterarme. Sie riecht parfümiert, ich rieche höchstwahrscheinlich nach Erbrochenem. Man sieht zwar den vermutlichen Pass weit oben am Berg leuchten aber da man in der Dunkelheit keine Möglichkeit zu Vergelichen hat ist das trotz der langen Lichterschlange vor einem nicht entmutigend. Es wird wenig überholt auf dem Weg zum Mont Favre. Linksseitig fließt ein Gletscher im Tal. Dahinter beginnt das Mont Blanc Massiv in der Dämmerung sichtbar zu werden. Die gigantischen Schneeschilde auf den hohen Gipfeln dräuen wie nicht von dieser Welt. Auf einer Zacke weiter sieht man die Silhouette zweier Baukräne.

Arete du Mont-Favre

Col Chekroit vor Mont Blanc Massiv

Col Chekroit vor Mont Blanc Massiv

Sonnenaufgang über Courmayeur

Sonnenaufgang über Courmayeur

Ein Schutzzelt und zwei Glashäuschen zum Aufwärmen stehen neben dem Weg. Die Startnummer wird gescannt. Hinter dem Pass öffnet sich der Blick auf das Tal. Ein paar Läufer sitzen auf den Steinen und genießen die Aussicht. Ich besetze den letzten Stein und tue es Ihnen gleich. Jetzt geht's bergab. Vorher habe ich im Netz gelesen das dieser Abstieg eine Hölle für den Quadriceps wäre. Na, jetzt kann ich es mir eh nicht mehr aussuchen. Der Weg fällt zunächst Steil in Serpentinen ab und verläuft dann mit mäßigem Gefälle am Hang entlang bis zum letzten VP vor Courmayeur namens Col Chekroit. Bänke mit Sonnenschirmen laden zum verweilen und den Sonnenaufgang genießen ein aber das hier ist ja ein Rennen. Also nur schnell vorsichtig ein paar Kekse gegessen, das rosenrote Mont Blanc Massiv fotographiert und dann weiter. Von nun an geht es wieder respektabel Steil bergab. Bislang bin ich eher langsam bergab getrabt oder sogar nur gewandert aber hier hole ich eine Gruppe ein und lasse mich anstecken. Wir laufen in für meine Begriffe halsbrecherischem Tempo durch die Serpentinen durch den Wald bergab. Der Untergrund ist sandig und an manchen Stellen ist der Boden so steil das die Schuhe sich am äußersten Rand ihrer Haftfähigkeit befinden. Trotzdem kommen manchmal Leute von hinten und stürzen die Serpentinen abkürzend an uns vorbei. So möchte ich auch mal laufen können. Im Moment ist mir nicht einmal ansatzweise klar wie jemand soviel Körperkontrolle haben kann. Zugegeben, Fußschmerzen hat man bei der Menge Adrenalin dann vermutlich keine mehr und das ist auch ein Plus. Ich frage mich wie die Leute hier bei schlechterem Wetter durchgekommen sind. Ist dieser staubige gelbe Sand auch noch nass kann ich mir eigentlich nicht vorstellen dass hier noch jemand lebend runterkommen könnte, zumindest nicht ohne Steigeisen oder anseilen.

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