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La Fouly

In La Fouly gibt's ein großes Zelt mit vielen Bänken und wie überall mit allem was man sich wünschen kann am Buffett. Ich nehme ein wenig Nudelsuppe zu mir, ein wenig Weißbrot und Orangenschnitze. Einen Energieriegel. Ab jetzt muss ich wieder was festes essen sonst wird es kritisch. Meine Stimmung ist im grünen Bereich, im Prinzip geht es mir gut, der höchste Berg ist geschafft. Jetzt kommen die drei letzten Berge von denen im Netz steht es wären die schlimmsten. Einer soll aus Granitstufen bestehen und einer so steil sein das man kaum hochkommt. Na, ich bin mal gespannt, erst einmal geht es noch bergab von hier aus. Der Weg ist breit und führt am Fluss lang, nach ein paar hundert Metern schmerzhaften Eingehens kann ich wieder laufen und laufe einer Gruppe hinterher. Mal gespannt ob ich G. und J. wieder einfangen kann. In der letzten VP Station habe ich sie ja gesehen aber nicht mit Ihnen gesprochen. Hatte ein schlechte Gewissen weil ich G. nicht von meinem Wasser angeboten hatte, andererseits dachte ich wirklich der hätte noch einen Liter Energiegetränk bei sich. Lange, lange geht es bergab. Ein paar Kinder haben einen eigenen VP aufgemacht und wer will kann sich mit dem Gartenschlauch abkühlen lassen, lieber nicht. Irgendwann passieren wir das Dorf Praz de Fort und wechseln die Flussseite. Dann Issert und von hier geht es wieder bergauf über Single Trails. Hier fange ich auch G. und J. wieder ein. Gemeinsam steigen wir bis Campex Lac auf. Unterwegs schnorrt G. ein Bier von einem Zuschauer. Ich gehe schon mal ein Stückchen weiter bis zum VP. Im Zelt ist es sehr laut und es herrscht reger Betrieb. Wir essen einen Teller Nudeln mit Tomatensauce und Parmesan. Neben mir auf der Bank sitzt eine Holländerin und zieht sich für die kommende Nacht warm an. Nach dem VP wird es kühl. Wir gehen am See entlang und unterhalten uns angeregt über Ultraläufe und was andere Läufer die wir kennen gerade so machen. Hier scheint ja jeder jeden zu kennen. Zumindest Deutsche/Schweizer den von uns gibt es hier nicht so viele, der Großteil der Teilnehmer kommt gefühlt aus Frankreich, Spanien und Italien. Sogar ich bin wegen ein paar Einträgen die ich im deutsche Forum von Runnersworld geschrieben habe nicht völlig unbekannt. Nach einem Stück Straße geht es über breite Feldwege bergab, wir sammeln noch einen weiteren Deutschen ein und machen uns mit dem an den Aufstieg zum Bovine. Vorher wechselt J. noch die Batterien in seiner Lampe und G. bekommt ein Stück Vaseline aus meinem Alufolienvorrat da sein Hintern wieder Probleme macht. Die Vaseline mitzunehmen war eine gute Idee. Es geht ziemlich Steil bergauf, man muss aufpassen nicht auszurutschen, hin und wieder überqueren wir einen Bachlauf. Ein paar Lichter sind in der Dunkelheit an einem Hang auszumachen. Da müssen wir wohl hoch. An de relativen Bewegung der Lichter zueinander die durch das auf und ab des Gehens entsteht kann man in etwa abschätzen wie weit sie weg sind. Je mehr die Lichter wackeln desto näher sind sie. Da mein Höhenmesser um mehrere hundert Meter falsch kalibriert ist und ich zudem nicht genau weiß wie hoch der Pass liegt da ich inzwischen auch die zweite Marschtabelle verloren haben bin ich zur Motivation auf Schätzungen angewiesen. Glücklicherweise schätze ich meist ganz gut. Als wir über die Baumgrenze kommen legen wir an Tempo zu. Es zieht, aber trotzdem möchte ich nicht das Aus-Anziehspiel anfangen, ginge auch nicht, da wäre dann die Gruppe weg. Wir laufen zwischen schwarzen Kühen bei Nacht entlang. Nach ein paar weiteren Serpentinen sind wir unerwartet schnell am Pass. Ich bin erstaunt das der Pass so nah war, hätte gedacht das wären noch 200 Höhenmeter. Die Aussicht auf die Lichter im Tal war während des Aufstiegs Atemberaubend. Die Stadt die da unten, vermutlich Montreux, liegt haben wir glaube ich bei der Anfahrt passiert. Das Wetter ist immer noch großartig. Keine Wolke am Nachthimmel. Der folgende Abstieg beginnt für mich mit einem großen Problem. Die Batterien in der Stirnlampe geben den Geist auf und obwohl in den Rucksack bis auf den letzten Artikel auspacke kann ich die Ersatzbatterien nicht finden. Sind die raus gefallen? Vielleicht bei der Materialkontrolle? Vielleicht als ich vorhin nach der Vaseline gesucht habe? Es hilft nichts. Mit der Ersatztaschenlampe muss ich mich an den Abstieg machen. Das ist nicht so einfach weil ich die Hände eigentlich für die Stöcke brauche. Sehr frustrierend und gar nicht gut für die Moral. Es gelingt mir dann mich an eine Gruppe zu hängen und mit der ein gutes Stück den Berg hinunter in höherem Tempo zu laufen. Meine Hoffnung ist der Petzl-Stirnlampen-Stand der sich vielleicht am VP befinden könnte. J. hat vorhin erzählt die hätten ihm in seine Lampe neue Batterien eingebaut, die wären zwar schwächer gewesen als die bisherigen aber in meiner Situation ist alles besser als der Status Quo. Wir kommen durch Col de la Forclaz und ich gerate in leichte Panik, weit und breit kein Petzl-Stand, nicht einmal eine Verpflegung und Wasser. Ist das hier wirklich schon der tiefste Punkt? Ist der VP der ausfiel vielleicht nicht auf dem Bovine sondern nach dem Bovine? Das wäre jetzt wirklich ganz, ganz schlecht. Es geht ein Stückchen eben und dann wieder Steil den Berg hinunter, diesmal nach Trient und da ist dann glücklicherweise auch Verpflegungsstand und Batteriewechsel. Danke Petzl, ohne Euch hätte ich jetzt ein ernstes Problem gehabt, meine nächste Lampe kaufe ich bei euch.

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