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UTMB - Ultra Trail Mont Blanc

Anfahrt und Chamonix

Wunderschönes Wetter, strahlender Sonnenschein bis kurz vor dem Start. Die Gletscher auf dem Mont Blanc leuchten in unwirklicher Höhe über dem Dorf. Scheinen zu einer anderen Welt zu gehören. Schlecht geschlafen. um halb drei eingepennt und sechs von dem falsch gestellten Wecker an der Uhr geweckt worden und dann noch bis 7 geschlafen. Wenigstens habe ich die Zeit genutzt um noch ein Höhenprofil mit Tesafilm zu laminieren. Wir sind im Schwarzwald um 10 nach 8 aufgebrochen und über den Feldberg, Basel, Bern und Montreux ohne größere Verkehrsbehinderungen nach Chamonix gefahren. U. fuhr, Handy navigierte, ich lag auf der Rückbank und versuchte so viel zu schlafen und dösen wie irgendwie möglich. Ein bis zwei Stunden Schlaf habe ich auch glaube ich bekommen. U. und J. , U. s Freundin, sind mitgekommen und werden die drei Tage und zwei Nächte in einem Hotel in einer kleinen Stadt namens Megeve die vermeintlich nahe bei Chamonix liegt verbringen. J. war noch nie in der Schweiz und bislang erst einmal in Kanada in den Bergen. Sie haben vor ein wenig zu Wandern aber vor allem wollen sie wohl viel und gut Essen. Die Parkplatzsuche in Chamonix gestaltete sich schwer und nach zehn fruchtlosen Minuten haben mich die beiden rausgeworfen und ich bin alleine zur Startnummernausgabe gegangen. Alles sehr gut organisiert. Es gibt eine Laufgasse in einem großen Gebäude des Centre Sportif in der nacheinander die einzelnen Anmeldungsstationen passiert werden. Bei der ersten gibt es die Startnummer, bei der zweiten werden ein paar Ausrüstungsgegenstände aus der Pflichtliste kontrolliert dann folgt das anheften eines Etiketts an den Rucksack und man bekommt ein Startershirt. Letzteres gibt es wohl wenigen der hohen Ausfallquoten bei diesem Lauf, normalerweise gibt es ja nur Finishershirts. Bei der Ausrüstungskontrolle habe ich nur mit "Ausreichend" bestanden da meine Reservetaschenlampe keine Ersatzbatterien hatte. Ich war davon ausgegangen das nur die Hauptlampe Ersatzbatterien haben müsste aber nach dem was ich einen Tag später erlebt habe werde ich diesen Fehler nicht noch einmal machen. Ich habe also versprochen Ersatzbatterien zu kaufen und damit waren sie zufrieden. Habe ich dann aber nicht getan, Trottel der ich bin. Umgezogen habe ich mich dann auf der Toilette. War eng und es gab kein Toilettenpapier. Glücklicherweise hatte ich aber selbst welches mitgenommen. Alles angezogen und die kritischen Stellen dick mit Vaseline belegt, Gelobt sei was hart macht aber nicht zwischen den Pobacken. Auf der Nebentoilette beschwerte sich eine Dame über das fehlende Klopapier. Bin ich hier auf der Damentoilette gelandet? Raus aus dem Klo, und den Rest in einer Ecke der Anmeldungshalle erledigt. Beim verteilen der Ausrüstungsgegenstände auf die unterschiedlichen Behältnisse ist mir nur ein einziger Fehler unterlaufen. Den Personalausweis hatte ich nach der Startnummernausgabe in der Hosentaschen und die Hose wanderte in die Sporttasche die ich U. zurückgeben sollte. Da konnte ich Ihn dann nicht mehr finden. Als Ersatz nahm ich den Führerschein mit auf die Reise. Ist ja auch ein Lichtbildausweis und die werden ja doch hoffentlich keine Ausweiskontrolle beim Übertreten der drei Grenzen machen die man während des Laufs passiert. Abgesehen davon, Alles in Butter, zumindest sobald sich die Vaseline etwas eingelaufen hat. Das erste Problem taucht dann beim befestigen des angeblich selbstklebenden Etiketts auf dem Dropbag auf. Ich kann den Aufkleber nicht von seiner Sicherheitsfolie entfernen. Auch der Freiwillige Helfer an der Dropbagabgabestelle scheitert nachdem er ein paar Minuten lang erfolglos probiert hat. Vielleicht liegt es an zu kurzen Fingernägeln? Eine Freiwillige Helferin versucht ihr Glück aber auch sie hat keinen Erfolg. Wird mein UTMB bereits hier zu ende sein? Der nächste Freiwillige bringt jedoch einen Cutter und damit die Rettung. Problem gelöst. U. und J. treffe ich im Werbedorf das gerade abgebaut wird wieder. Sogar an der Stelle an der wir uns Verabredet hatten. Im Nachhinein fällt mir auf das die beiden ne Menge auf mich wartet mussten. Tut mir leid, ich war ein wenig zu aufgeregt um noch mein normales rücksichtsvolles selbst sein zu können. Sind dann ins Innendorf und haben uns in ner Bar an einen Tisch gesetzt. Direkt daneben wurde ein Teil des Zieleinlaufs aufgebaut. Ich habe einen Orangensaft getrunken, das schien mir das sicherste auf der Karte zu sein, die Anderen Sandwiches gegessen. Das Dorf ist extrem voll, die Münchner Fußgängerzone ist nix dagegen. Ab und an sieht man ein paar Originale. Asiatisch aussehender Kerl mit flächendeckend tätowierten Armen trinkt am frühen Nachmittag am Cafetisch ein Bier. Ich hab ein Déjà vu, den habe ich doch schon mal in Davos gesehen. Wie diese Art Mensch wohl in Hängertum finanziert? (Ausdruck von U. ) Irgendwo muss es hier günstiger sein als an den Orten die wir frequentiert haben. Sehen einen Mann in einem Ziegenbockkostüm und hören eine Truppe Trommler vorbeimarschieren.
Chamonix

Chamonix

Nach den Sandwiches sind wir noch ein wenig durchs Dorf gewandert, U. und J. haben ein paar Lebensmittel in einem für die teure Lage beachtlich bodenständigem kleinen Supermarkt eingekauft. Dann eine halbe Stunde an der Kirche gesessen und Leute beobachtet. (Jetzt beim schreiben im Biergarten ist mir wieder heißt und kalt gleichzeitig, da muss sich wohl noch etwas einpendeln) Die Stimmung ist wie man sie sich von den UTMB-Startvideos im Netz vorstellt. Die Ansagen werden auf Französisch wie auf Deutsch gemacht. Die kleine Kirche steht offen und der Pfarer hat eine Reihe von Kerzen angezündet. Kann aber auch sein das die Kerzen von Läufern angezündet wurden die sich höheren Beistands für die nächsten 170km zu versichern suchen. Dann eine halbe Stunde vor Start haben wir uns verabschiedet und ich habe mich ins Startfeld begeben das zu diesem Zeitpunkt schon breit und tief stand. Deswegen gab es also keine Standesgemäßen Startplatz mehr für mich. Dem Endergebnis nach stand ich aber etwa richtig, glaube ich. Dann Warten. Vor mir ein Mann aus Valencia mit der Fahne Valencias. Ich weiß das weil ich gefragt habe. Überhaupt werden beim UTMB wohl oft Regionale Flaggen geschwenkt. Habe viele Flaggen gesehen die ich nicht kannte und weiß auch aus einem Bericht das jemand unter den ersten Zehn der letztes oder vorletztes Jahr die Flagge Montanas ins Ziel trug von Mitamerikanern mangelnden Patriotismus vorgeworfen bekam. In der Starter-liste habe ich auch jemanden gesehen der als Herkunftsland "Pays Basque" (Baskenland) angeben hat. Weiß ja nicht ob es in Frankreich außer in den Pyrenäen auch separatistische Tendenzen gibt, aber falls doch glaub ich nicht das die Franzosen diese Regionen als Herkunftsländer in der Starter-liste zulassen würden. Ziemlich weit hinten links aufgestellt. Zwar nicht direkt an der Kirchentreppe aber doch auch nicht weit von ihr entfernt, rechts neben mir ist ein weißes Sonnenzelt. Es geht sehr eng zu, umdrehen ist mit dem Rucksack nicht drin. Hin und wieder kann die ganze Truppe ein bis zwei Meter vorwärts trippeln. Stimmung ist ein wenig angespannt. Ein Mann auf einem Hausdach tanzt kurz zur Musik. Daft Punkt - Get Lucky. Auf den Balkonen stehen viele Menschen. Ein Hubschrauber schwebt in 100 Metern Höhe hinter dem Starttor. Eindrucksvoll ist wie die Zuschauer an den Rändern tief gestaffelt stehen. Die Leute weiter hinten müssen auf Blumentröge geklettert sein. Dadurch entsteht der Eindruck man befände sich in einem Tal aus Menschen.

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