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Trekking durch das Khumbutal zum Everest

München Kathmandu

Berge über Kathmandu

Berge über Kathmandu

Christian Kracht schreibt der interessante Teil der Welt unterscheide sich vom uninteressanten durch den Marsch über das Rollfeld, nachdem man aus dem Flugzeug gestiegen ist. Wer diese Meinung teilt, weiß nach der Landung in Kathmandu sofort, hier ist es interessant. Das in orangenes Licht getauchte Rollfeld, die Atembeschwerden in der suppendicken Luft, die fremde Schrift, die Mönche die hinter einem in der Schlange vor dem Einreiseschalter anstehen, der schmierige Stempel auf dem exotischen Visum im Pass, das unverständliche Kauderwelsch um einen herum - all das bedeutet einem, du bist jetzt ganz woanders. Die Welt ist kein Dorf. Wer sagt es sähe überall gleich aus, der irrt. Mit dem Bus geht es bei völliger Dunkelheit durch das Tor des Flughafens. Die Stadt ist stockdunkel. Weit und breit kein Mensch. Wirklich überhaupt niemand. Wie ich später erfahre liegt das an der Ausgangssperre und an der Tatsache, daß Kathmandu momentan von den Maoisten eingekesselt wurde und auf dem Landweg nicht mehr zu erreichen ist. Wir befinden uns in einer belagerten Stadt. An größeren Kreuzungen sind Sandsackbarrieren mit schwer bewaffneten Soldaten in den flankierenden MG-Nestern. Im gelblichen Licht der Scheinwerfer scheint alles noch fremder als es sowieso schon ist. Die Häuser sehen absolut anders aus als in Europa. Mehrstöckig aber nur drei bis vier Meter breit, fünf Metern tief und nach oben hin breiter werdend, erinnern sie ein wenig an überdimensionale Kästen zur Tierhaltung. Unser untermotorisierter Bus wird von dem nicht sehr einfühlsamen Fahrer durch die tote Stadtlandschaft gequält. Jeder Gangwechsel hinterläßt ein weiteres Betätigungsfeld für den Physiotherapeuten, jedes Schlagloch einen blauen Fleck. Nach einer knappen Stunde erreichen wir am Stadtrand einen etwas höher gelegenen Parkplatz. Das Gepäck und die Passagiere werden in Jeeps umgeladen und auf einem sehr ausgewaschenen, serpentinenreichen Bergweg zu einem Hotel über der Stadt gebracht. Die Zimmer werden verteilt und es geht endlich ins Bett. Am nächsten Morgen fällt die Schönheit der Hatibahn-Hotelanlage ins Auge. Die Zimmer sind geräumig, die Bepflanzung reichlich und exotisch. Gegen Nachmittag brechen wir zu einem Akklimatisationsspaziergang auf. Es geht durch mit Gebetsflaggen behangenen Wäldern zunächst zu einer Opferstelle, dann zu einem kleinen Kloster. Von einem Aussichtsturm hätte man einen guten Blick auf Kathmandu, wäre es nicht völlig unter einer dichten Dunstglocke versteckt. Die Sicht auf den Himalaya wird leider von Wolken verdeckt. Mönche in Ausbildung, ich schätze um die zehn Jahre alt, spielen in ihrer rotgelben Mönchskluft fangen. Einer "treibt ein Rad", etwas das sich in Europa auch nur noch in Büchern findet. Es geht früh ins Bett, um am nächsten Morgen um halb fünf fit für die Fahrt zum Flughafen zu sein. Erwartungsvolle Aufregung greift um sich.

Literatur und Reiseführer


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