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5. Tag Khumjung, Abstieg nach Sanasa

Yaks auf dem weg nach Tibet

Yaks auf dem weg nach Tibet

Unsere Führer, zwei an der Zahl, können nur ein Paar Brocken Deutsch, an sich kein großes Problem, aber in unserer Truppe sind Einige, die deshalb keine Möglichkeit haben, sich mit der Expeditionsleitung zu verständigen. Das gesprochene Englisch ist auch nicht ohne weiteres zu verstehen. Besonders die englisch- nepalesische Mischgrammatik mutet seltsam an. Das Wetter war heute gemischt, zwischendurch hat es kurz genieselt. Der Weg war größtenteils schon bekannt, da wir aus dem Imjatal zurück zum Khumbugletscher marschierten, um unseren Weg in Richtung Everest fortzusetzen. Über Namchet Bazar haben wir in Syangboche neben dem Flugfeld einen Einkehrschwung in einem Gasthaus gemacht. Wie viele der Häuser hat auch dieses einen schönen Wintergarten, der es einem erlaubt während des Essens die Aussicht zu genießen. Direkt vor dem Fenster geht es 100 Meter bergab bis zum Anfang des unasphaltierten und sehr unebenen Flugfeldes. Am Rande stehen blaue Fässer, das Universalbehältnis für Expeditionsausrüstung, und werden auf Yaks festgezurrt um ihre Reise bis ins Basislager fortzusetzen. In Khumjung habe wir dem Kunde Hospital, dem einzigen im Tal, einen Besuch abgestattet. Khumjung ist ein recht großes Dorf mit vielen ungeterten Straßen, die wie die Äcker von Trockenmauern eingefaßt sind. Es waren kaum Menschen zu sehen, im Vergleich zu Namche Bazar, ist Khumjung eine Geisterstadt und die Menschen leben ganz offensichtlich nicht vom Tourismus. Wir konnten beobachten, wie ein Haus verputzt wurde. Das geschah durch Aufwerfen und Glattstreichen einer Mischung aus Gras und Lehm; getrocknet wird dann der Putz daraus, der die meisten Häuser im Tal bekleidet.
Eingang nach Khumjung

Eingang nach Khumjung

Eine halbe Stunde Fußmarsch weiter kommen wir an unser Tagesziel, der Sanasalodge, einer sehr schön gelegenen Unterkunft mit einem kleinen Markt; direkt vor der Tür werden Schmuck und Souvenirs verkauft. Es gibt eine Panoramadusche, einen Glaskasten nach drei Seiten mit Vorhängen abgedeckt und nach der Talseite hin offen, in der man gegen eine kleine Gebühr duschen kann. Für dieses Unterfangen muß ein Sherpa mit heißem Wasser ein Tonne oberhalb der Dusche füllen. Je nach Reinlichkeitsdrang sogar mehrmals. An sich eine schöne Sache wäre das Wasser nicht mittels Holz erhitzt und die Rodungen der Wälder ein großes Problem im Khumbutal. Auf solche Feinheiten nehmen die meisten Touristen nachdem sie mehrere Tage nur kaltes Wasser für Katzenwäschen zur Verführung hatten aber kaum Rücksicht. Das Gastzimmer der Lodge ist geräumig und wird neben dem obligatorischen Yakdung-Ofen von Gaslampen geheizt. Das Mobiliar ist einen zweiten Blick wert. Die Zimmer sind sehr schön und ausnahmsweise halbwegs zureichend gegen Schnarcher in anliegenden Kammern isoliert.
Ein Haus wird verputzt

Ein Haus wird verputzt

Nahe bzw. hinter der Lodge befindet sich ein Terrain, daß sich für die Karl-May-Festspiele eignen würde. Nur liegen hier anstelle von Büffelgerippen die Knochen von Yaks herum. Bei dem Versuch einen Zahn aus einem Kiefer zu brechen ging ein Stein entzwei. Sehr Robust gebaut, diese Yaks. Einem Japaner, Mitglied einer anderen Reisegruppe, ging es gegen Abend sehr schlecht. Er mußte die Nacht im Kompressionssack verbringen, konnte aber dann am nächsten Morgen noch nicht gerade gehen und war beständig am Reihern. Wenn man nicht wüßte, worum es sich handelt könnte man bei den Symptomen annehmen, der Mann wäre lediglich stockbesoffen. Nein, die Höhenkrankheit möchte ich nicht bekommen. Unsere Träger wirken am nächsten Morgen sehr frisch dafür, daß sie über die Nacht im Schichtbetrieb den Japaner am Leben erhielten. Mir fällt auf, daß sich mein Schlafbedürfnis stark erhöht hat. Zehn Stunden schlafen am Stück ist kein Problem und trotzdem spüre ich noch eine leichte Müdigkeit. Da es nicht besonders anstrengend zugeht, muß das wohl an der dünnen Luft und dem damit verbundenen, meist nur leichtem Schlaf liegen. Beim abendlichen Schachspielen fällt auch ein starker Leistungsabfall auf. Obwohl ich sonst auch nicht wirklich mit Kasparow vergleichbar bin, spiele ich jetzt noch deutlich schwächer. Da dieses Handicap aber fast alle betrifft wirkt es sich nicht besonderes ergebnisverzerrend aus. Noch schlimmer leidet mein Reisetagebuch unter der Höhe. Beim nochmaligen Durchlesen des Geschriebenen fallen unzusammenhängende Sätze, fehlende Wörter und Sätze die mit einem Thema beginnen und mit einem völlig Anderen enden, unangenehm ins Auge.

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