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9. Tag Chukung Ri, Dingpoche

Ein Teil unserer Gruppe beschließt morgens vor dem Aufstieg lieber den Vormittag mit Teetrinken zu verbringen und die Kräfte für das Basislager und den Kala Pattar zu schonen. Wir restlichen machen uns nach einen kurzem Frühstück an den Anstieg zum Chukung Ri, einer Art Vorgipfel des Chukung. Es geht über einen vegetationslosen Hang auf einem nicht immer sichtbaren Fußweg stetig bergan. Erstmals wird es anstrengend und die dünne Luft macht sich bemerkbar. Man muß oft Ein- und Ausatmen bis man das Gefühl hat genug Sauerstoff für den nächsten Schritt in der Blutbahn zu haben, zumindest wenn man nicht bummelt. Die Aussicht ist dafür dann auch grandios. Es ist fast nicht möglich Entfernungen abzuschätzen, da es keine Bäume geschweige den Gebäude in Sichtweite gibt, die einen Maßstab gäben. Der Blick nach links zeigt den Makalu, voraus sind die Ama Dablam und der Thamserku, rechts sind Lothse und Nuptse zu sehen. Auf dem Gipfel ist es wegen einem Wust von Gebetsflaggen sehr bequem. So gebettet und halbwegs vor dem eisigen Wind geschützt lässt es sich in der Sonne mit der Panoramaausssicht gut aushalten. Am Himmel ist keine Wolke zu sehen. Nach zwei Stunden beginnt aber mein Kopf leicht zu schmerzen und ich mache mich wieder an den Abstieg zur Lodge, der etwas schneller verläuft als der Anstieg. Fordernd ist eben nicht die Beschaffenheit des Weges sondern die Höhe. Vor der Reise hätte ich nie gedacht, daß es einen so gewaltigen Unterschied für die Leistungsfähigkeit macht ob man nun auf 3000 oder 5000 Metern ist.
Chukung Ri Panorama

Chukung Ri Panorama

Kurz nach der Ankunft an der Lodge macht sich die Höhenkrankheit in Form von nicht mehr ganz so leichtem Kopfweh richtig bemerkbar. Mein Kopf fühlt sich an als hätte ich am Tag vorher zu viel getrunken. Solange es nicht schlimmer wird beschließe ich allerdings keine Medikamente zu nehmen sonst könnte es sein, daß ich nicht mehr den vollen Einblick in mein Befinden habe und ernsthaftere Symptome wegen der Schmerzmittel nicht rechtzeitig feststelle. Vielleicht ein wenig paranoid aber die höhenkranken Leute die ich in den letzten paar Tagen gesehen habe haben mich vorsichtig werden lassen. Glücklicherweise geht es aber heute Abend sowieso wieder ein Stück tiefer, gemäß der Regel immer unterhalb der am Tag erreichten Maximalhöhe zu schlafen. Eine Gruppe angeheiterter Russen mit Messner-Bärten plant im Innenhof der Lodge für den nächsten Tag. Peak Lenin Bezwinger die sie sind, überlegen sie sich den Islandpeak noch im Vorbeigehen mitzunehmen. Ihre Ausrüstung scheint für diesen Zweck nicht geeignet zu sein aber was ihnen da fehlt machen sie vermutlich durch eisernen Willen und überlegenem alpinistischen Können wett. Wir wandern wieder zurück nach Chakhung, der Lodge in der wir erst gestern waren, und nächtigen dort. Gegen Abend verschwindet mein Kopfweh fast und es bleibt nur ein leichtes Schädelbrummen zurück.

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