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3. Tag Granon - Belorado - Ortega - Burgos - Castrojeriz

Zufahrtstraße nach Belorado

Zufahrtstraße nach Belorado

Gestern Abend wurde noch nach der Andacht zur Messe geschritten. Wir saßen zu zehnt im Chorgestühl des Hauptschiffes, das nicht in der Apsis sondern im rückwärtigen Teil der Kirche, leicht erhöht gebaut war. Auf den Armlehne der Holzsessel standen brennende Kerzen und der Altar war hell erleuchtet. Die Nacht habe ich nicht nur in der Kirche, in deren Dachgeschoss die Herberge untergebracht ist, verbracht, sondern sogar in einer Art Gebetsraum, weil ich die anderen mit meinem ständigen schnupfenbedingten Schnäuzen nicht wach halten wollte. Außerdem hat das offene Kaminfeuer und der rauchende Pfarrer sein Übriges getan, um die Luft möglichst unfreundlich für gereizte Schleimhäute zu machen.
Das verfallende Espinosa del Camino

Das verfallende Espinosa del Camino

Belorado 10 Uhr morgens. Gelobt sei die spanische Bar, hat immer offen und immer was zu trinken gegen die Strapazen und die Erkältung. Meine Stimme klingt inzwischen wie aus einem Grab und mein rechtes Ohr, jenes in welches der Wind ständig pfeift, schmerzt. Vor der Bar hängt ein Schild: "Santiago 543.4km". Heute Abend Sollten es so Gott will noch 430km bis Santiago sein. Heute Morgen hatte es starken Wind und Nieselregen. Erst den Standardcamino eine Weile gefahren dann die Straße. Viele, viele LKW. Manchmal ist es wirklich gefährlich wenn sich die Leitplanke 20cm rechts von einem und ein 100kmh schneller LKW einen Meter oder weniger links von einem befindet. Der Sog, den die von hinten heran rauschenden LKW manchmal fast ohne Vorwarnung, erzeugen, zieht einen in Richtung Straßenmitte und Gegenlenken bewirkt schnell eine Kollision mit der Leitplanke. Ich habe begonnen Lastwagenfahrer zu grüßen, die rücksichtsvoll ein wenig Abstand lassen und hoffe so auf lange Sicht, zur Zivilisierung des spanischen Fernverkehrs beizutragen.
Straße auf den Montes de Oca

Straße auf den Montes de Oca

Langer, anstrengender Aufstieg zum Montes de Oca auf dem Seitenstreifen der Bundesstraße. Oben dann auf einen Forstweg gewechselt. Von schwerem Gerät völlig zerfahrenen aber nach einem Kilometer dann doch ganz passabel. Endlich hat es mal ein wenig Wald entlang des Weges. Mit den Bäumen als Windschutz ist der Gegenwind nicht mehr ganz so schlimm. Schöne Abfahrt zum Kloster San Juan de Ortega. Merkwürdige Bauweise aber interessant. Leider nicht so recht fotografierbar. Der Barbesitzer möchte mir einen Stempel für meinen Pilgerpass nur gegen einen Kaffee geben. Mit einem Bier ist er dann auch glücklich. Es gibt einen kleinen holzbefeuerten Ofen. Diese Art zu heizen muss hier sehr verbreitet sein. Weiter durch schönen Wald, später auf einem Bergrücken nach Ages. Da gibt es eine Statue, die ich zunächst für ein Pilgerdenkmal hielt. War sie aber nicht. Sie sollte einen Urmenschen darstellen, der hier ausgebuddelt wurde. Ein Stückchen weiter auf einem Hügel gerastet. Jemand hatte eine Steinspirale mit 20metern Durchm
Kirchenanlage San Juan de Ortega

Kirchenanlage San Juan de Ortega

esser auf dem Grasboden ausgelegt. Vielleicht ist die aber auch durch jahrelanges anlegen neuer Steine verspielter Wanderer entstanden. In Burgos durch ein nicht enden wollendes Industriegebiet angekommen. Gegenüber der Kirche gibt's eine Bar, deren Besitzer ein Amigo Indurains ist und das mit einem signierten Bild an der Wand jedem zeigt. Obwohl das fast amerikanische Industriegebiet entlang einer mehrerer kilometerlangen breiten Ausfallstraße zunächst anderes vermuten lässt, ist Burgos sehr schön. Im Stadtzentrum stehen alte Häuser mit verglasten Holzveranden dich an dicht und hinter jedem Torbogen öffnet sich eine andere Plaza. Hinter Burgos übel verfahren. 10km Umweg zu einem verschlafenen Bergdorf. Dann Kniebeschwerden. Nun... solange es nicht schlimmer wird geht's. Rabe de las Calzadas, der Weg führt durch grüne Hügel. Hin und wieder schrecke Ich ein paar Laufvögel auf, die in Panik in die Gegenrichtung flüchten. Große Heuhaufen gibt es hier und auf den Feldern finden sich alle 100 Meter große Haufen Feldsteine.
Kathedrale von Burgos

Kathedrale von Burgos

Viertel nach 8. Gut in der Herberge in Castrojeriz angekommen. Sehr laut hier. Spanier halt. In Herbergen beschäftigte Spanier scheinen dort nur angestellt zu sein, um die Arbeitslosigkeit in der Region etwas zu senken und bei der Bevölkerung mehr Sympathie für Pilger zu erzeugen. Bislang sprach keiner einer Fremdsprache, einer stank, zwei schliefen auf dem Boden in einem Schlafsack. Obdachlose? Wäre auch wirtschaftlich viel vernünftiger, die Herbergen ausschließlich mit Freiwilligen zu betreiben. Castrojeriz ist ein verschlafenes Örtchen mit einem komplett verfallenem Viertel einschließlich einer Kirchenruine. Sehr malerisch. Leider kann ich keine Fotos mehr machen, weil die Batterie leer ist. Am Dorfplatz hat es ein verfallenes Casino, das entweder von vergangener Größe oder einem gescheiterten Ortsentwicklungskonzept zeugt.

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