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4. Tag Castrojeriz - Fromista - Sahagun - El Burgo Ranero

Kurz nach Castrojeriz

Kurz nach Castrojeriz

Die Nacht war grauenhaft. Im Schlafsaal war ein Typ, der die ganze Nacht so laut schnarchte, dass an schlafen nicht zu denken war. Gegen Mitternacht habe ich mich dann in den Waschraum gelegt, aber selbst da war er noch zu hören. Außerdem waren die Leute, die in der Nacht auf den ebenfalls dort befindlichen Lokus gingen leicht störend. Vor dem Losfahren erst einmal das Fahrrad repariert. Durch das Gerüttel auf den schlechten Wegen hatte sich eine Mutter am Gepäckträger verabschiedet und ein paar Schräubchen waren locker. Aber alles mit Bordmitteln leicht reparierbar. Nach zügiger Fahrt ohne Gegenwind über fast autofreie Straßen und Feldwege in Fromista eine geöffnete Bar gefunden. Wunderschönes Wetter. Sogar eine deutsche Steckdose haben sie hier, an der ich meine Kamerabatterie aufladen kann. Die Kirche San Martin hier ist sehr berühmt aber bedauerlicherweise geschlossen. In einem Supermarkt lässt sich alles einkaufen was das Pilgerherz begehrt. Eine große Salami klemme ich mir als Wegzehrung an den Lenker. Wenn ich Glück habe komme ich heute fast bis Leon. Laut Pilgerführer ist der Weg sehr flach
Spanisches Dorf hinter Castrojeriz

Spanisches Dorf hinter Castrojeriz

und mit etwas Glück und ohne den Gegenwind sollte das möglich sein. Der Franzose gestern aus der Herberge in Granon gestern war übrigens ein echter Pilger. Unterwegs mit einem Schwer bepackten Fahrrad ist er in Jerusalem vor knapp einem Jahr aufgebrochen, um nach Santiago zu fahren, immer den Gebeinen es heiligen Jakobus hinterher. Langer Tag, Sonne schien. War fast zu heiß. Einen Teil des Weges auf einer langen Straße aus losen Kieseln gefahren. Nur dürre Laubbäume ohne Blätter standen entlang des südlichen Randes. Kaum Schatten, sehr heiß. Rechts und links weite grüne Felder. Topfeben.
Pilgerhund in Calzadilla de la Cueza

Pilgerhund in Calzadilla de la Cueza

In Calzadilla de la Cueza zwei Koreanerinnen getroffen, die sich mit mir und meinem Fahrrad fotografieren lassen wollten. Ein Hund, angebunden an einem Rucksack hechelte nach Wasser. Weiter auf gleißender Landstraße. Eine Frau schrie: Camino! und zeigte nach Westen. Ja, Camino. Dort entlang. In Sahagun hatte mein Hinterreifen dann einen Platten. Konnte ich aber mittels Flickzeug und einer Flasche Wasser in einem Hauseingang reparieren. Die Herberge in El Burgo Ranero ist sehr schön eingerichtet, wieder mit offenem Kamin. Leider war die Waschmaschine außer Betrieb aber es gab eine Spüle, in der ich meine Sachen von Hand waschen konnte. Ich habe einen Sonnenbrand auf Nase, Nüstern und Wangen. Lange mit Martin, einem Deutschen, der seit über einem Jahr mit dem Fahrrad auf Weltreise ist unterhalten. Martin ruinierte die Reissuppe der Koreaner indem er Spülmittel in die Pfanne leerte. Er dachte das wäre nicht zum menschenlichen Verzehr gedacht und wollte beim Abwasch helfen. Große Belustigung bei den Koreanern. Haben ganze Romane über das Mißgeschick in ihre Tagebücher geschrieben. Martin fährt außerdem in die falsche Richtung. Von Santiago über Pamplona nach Hannover. Zu diesem Behuf hat er 200 Euro und jede Menge Gottvertrauen zur Verfügung. Das wäre mir, glaube ich, zu Unsicher. Aber man kann sich wohl an alles gewöhnen. Verkaufte außerdem Papier-Vögel aus Kambodja. Habe einen gekauft für jemanden den ich nicht kenne.
Sahagun

Sahagun

Abends um 10 war Hüttenruhe, an Schlaf aber wegen der Schnarcher nicht zu denken. Deswegen ausgestiegen, die Tür war abgeschlossen, und in die Kneipe gegenüber gegangen. Der Wirt sitzt neben mir, isst und trinkt Rotwein aus einem Schnapsglas. Einem flachen Schnapsglas. Werde ich auch, morgen. Zurückgeschlichen zur Herberge. Neben dem Sirius, das Sternbild des Orion scheint größer als bei uns. Schöner Sternenhimmel. Wieder durchs Fenster in die Herberge zurückgeklettert. Nicht so leicht mit Halbschuhen ohne Geräusche zu machen. Geschlafen wird nicht im Bett sondern unten auf einem gekachelten Sims im Gastraum neben dem offenen Kaminfeuer. Zum einen um Schnarchern zu entgehen, zum anderen wegen eines vom vielen Wein induzierten Drehwurms. Trotzdem etwa sechs Stunden gut geschlafen.

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